Kunst ist meine späte Liebe. Als junger Mann verachtete ich sie wegen ihrer Kommerzialisierung. Sogar heute noch zweifele ich manchmal angesichts der Tatsache, dass Selbstdarstellung vor Qualität geht, an ihrer Ernsthaftigkeit. – Ich weiß, ich lehne mich jetzt weit hinaus.
Während des Studiums habe ich einen kurzen Anlauf genommen zu zeichnen und dann doch wieder aufgehört. Erst spät wagte ich einen erneuten Start, zweimal unterbrochen durch schwere Krankheit.
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Oft habe ich mich gefragt, was einen guten Zeichner ausmacht. So bewundere ich bis heute die Straßenkünstler, die in Minutenschnelle das Graphit oder die Kohle aufs Papier schmeißen. Eine wirklich beeindruckende Leistung, ein geschicktes Mischen von eingeprägten Mustern mit live beobachteten Merkmalen der zu portraitierenden Personen.
Meine Art des Zeichnens, aber auch des Fotografierens, wächst aus dem subjektiven, hintergründigen Sehen. Ausschließlich.
Durch meine vielen Jahre als Fahrlehrer habe ich ein ungewöhnliches Verhältnis zur Straße entwickelt. Da ist einmal das Fahren auf ihr. Ständiges Schauen, beobachten und suchen. Und dann ihr Verlauf, die Linie. Wie eine Lebenslinie, der folgend man nicht weiß, was hinter der nächsten Kurve kommt – wie im Rest unseres Menschseins eben auch. Für mich ist die Straße daher Symbol für den Fluss des Lebens.
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Irgendwann habe ich angefangen, aus fahrenden Autos heraus zu fotografieren – als Beifahrer natürlich. Die Straße einfangen. Zunächst dachte ich, das sei Spinnerei. Wie ich überhaupt meine Art des Kunstverständnisses lange Zeit für Unsinn hielt. Ein Buch von David Bradford, einem New Yorker Fotografen, der aus seinem Taxi heraus Fotos schießt, half mir dann, mich besser zu verstehen und selbstbewusster zu werden. Danke David.

Und wo ich gerade bei Danksagungen bin: Danke unbekannte Verkäuferin in einer Duisburger Galerie, die es heute nicht mehr gibt (Ich meine natürlich die Galerie). Danke, dass du mich rausgeschmissen hast, als ich zu einem gekritzelten Kunstwerk eines namhaften Künstlers, an dessen Name ich mich nicht mehr erinnern kann, und das für beeindruckende 1850,- € bei dir feilgeboten wurde, nicht mehr zu sagen wusste, als dass dies jeder hinkriegt, der zwei oder vier Stunden VHS-Zeichenkurs hinter sich hat.

Es hat mir damals wieder einmal zu einem tieferen Verständnis der Kunst verholfen. Mehr konnte ich erst lernen, als ich von Damien Hirst und seiner Kunst, Kunst zu verkaufen in einer Reportage von Arte erfuhr. Wie gesagt, ich habe ein ungewöhnliches Verhältnis zur Kunst. Und bestimmt werde ich irgendwann noch einmal aus einer Galerie gejagt werden.